Gitterle: Tiroler Wirtschaftsbund fordert Kursänderung in der Ausländerbeschäftigungspolitik

20.06.2023

Landecker Bezirksobmann sieht akuten Handlungsbedarf – Österreichs Wohlstand ohne qualifizierte Zuwanderung nicht zu halten – Wirtschaftsbund fordert weitreichende Maßnahmen.

Der Stellenmonitor des Wirtschaftsbundes spricht eine klare Sprache: Österreichweit fehlen aktuell über 215.000 Arbeitskräfte, in Tirol über 20.000. Die alarmierenden Zahlen fordern eine rasche Kursänderung in der Ausländerbeschäftigungspolitik. „Neben den Anstrengungen zur Steigerung des inländischen Arbeitskräftepotenzials, etwa durch den Ausbau der Kinderbetreuung, muss Österreich auch den Arbeitsmarkt für Drittstaatenangehörige weiter öffnen, um den aktuellen und zukünftigen Bedarf decken zu können. Ohne geregelten Zuzug drohen massive Wettbewerbsnachteile und nachhaltige Schäden“, so Bezirksobmann Michael Gitterle.

Die letzten Eurostat-Daten belegen, dass Österreich mit 4,6% den höchsten Anteil offener Stellen in Europa hat, während der EU-Durchschnitt bei 2,8% liegt. Gleichzeitig verzeichnet Österreich einen Beschäftigungsrekord von mehr als 3,9 Millionen unselbstständig Beschäftigten. „Schon die prognostizierte demografische Entwicklung allein sollte selbst den letzten Skeptiker zum Nachdenken bringen“, verweist Gitterle auf die Prognosen. Die Bevölkerung der Generation 65+ wird sowohl zahlen- als auch anteilsmäßig stark zunehmen. Bis 2040 dürfte die Bevölkerung ab dem Alter von 65 Jahren um 48,1 % (entsprechend rund 834.000 Personen) größer sein als 2021. Zugleich erhöht sich ihr Anteil an der Bevölkerung von derzeit 19,4 % auf 26,6 % im Jahr 2040. Im Gegensatz dazu wird die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter von 20 bis unter 65 Jahren 2023 mit 5,53 Millionen Menschen ihren vorläufigen Höchststand erreichen. Bis 2040 wird sie um knapp 244.000 Personen (minus 4 %) unter diesen Wert sinken.

„Der Arbeitsmarkt in Österreich wird sich stark verändern. Der Arbeitskräftebedarf steigt deutlich, gleichzeitig sinkt die Zahl der Erwerbstätigen. Wenn man vom Status quo ausgeht und Berechnungen der Synthesis Forschung und des WIFO zu Arbeitskräfteangebot und -nachfrage einander plakativ gegenüberstellt, zeigt sich, dass bis 2040 zusätzlich zur jetzigen prekären Situation rund 363.000 Stellen in den Betrieben nicht besetzt werden können – wenn nicht gegengesteuert wird“, so Gitterle.

Tirol befindet sich in einer erfreulichen arbeitsmarktpolitischen Situation, nämlich einer de facto Vollbeschäftigung. Dies bedeutet jedoch, dass der Pool an inländischen Arbeitskräften äußerst begrenzt ist. Es ist unvermeidlich, den Mitarbeiterbedarf auch aus dem Ausland zu decken. „Unser Nachbarland Deutschland hat dies bereits erkannt und bietet mit dem aktuellen Fachkräfteeinwanderungsgesetz klare und einfache Regeln für die Beschäftigung von Drittstaatsangehörigen. Die Integration ausländischer Arbeitskräfte fördert das Wachstum und die Innovationskraft eines Landes. Ihre Fachkenntnisse, Erfahrungen und unterschiedlichen Perspektiven tragen zur Entwicklung neuer Ideen und Lösungsansätze bei, die den Wettbewerbsvorteil von Unternehmen und der gesamten Wirtschaft stärken“, ist sich Gitterle sicher.

Konkret fordert der Wirtschaftsbund:
  • Sofortmaßnahme: Ausweitung der Saisonkontingentverordnung auf weitere Branchen und ohne zahlenmäßige Obergrenze,
  • Ausweitung der Möglichkeiten zur Beschäftigung von Arbeitskräften mit offenem Asylverfahren,
  • Bewilligung von Dienstverhältnissen mit Drittstaatenangehörigen nach Ersatzkraftverfahren,
  • Schaffung eines Aufenthaltstitels für Lehrlinge aus Drittstaaten mit anschl. automatisierter Verleihung des Aufenthaltstitels „Rot-Weiß-Rot – Karte plus“ bei positiver Lehrabschlussprüfung,
  • Schaffung eines Aufenthaltstitels für Praktikanten aus Drittstaaten welche sich in einer schulischen/universitären Ausbildung befinden und
    Schaffung von weiteren Anreizen nach Vorbild des Fachkräfte-einwanderungsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland

Abschließend stellt Gitterle unmissverständlich fest: „Wir müssen rasch handeln, denn ohne kontrollierte Zuwanderung werden wir es nicht schaffen!“